Zum Tod von Gabriele Fauser

Über Jörg Fauser — admin on März 17, 2008 at 21:28

Am 10. März starb Gabriele Fauser, die Witwe Jörg Fausers, im Alter von 59 Jahren in München.

Ich habe sie im Februar 2004 kennengelernt, während der Arbeit an der Biographie ihres Mannes (Jörg Fauser-Rebell im Cola-Hinterland, mit Matthias Penzel). Wir trafen uns im Café Mariandl am Rand der münchner Innenstadt, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bei der VG Wort, auch nicht weit weg von der zusammen mit Monika Dobler sehr erfolgreich betriebenen Krimibuchandlung „Glatteis“. Vorher hatten wir ein paar Mal telefoniert, aber dann merkte ich, das reicht nicht und setzte mich in den Zug.

Es wurde ein langes, gutes Gespräch bei Schweinsbraten und im Wechsel hellem Bier und Kaffee. Gabriele Fauser kam nie ins Schwadronieren, verbarg auch nicht, daß in der Gemeinschaft mit einer Gestalt wie Fauser Krisen nicht ausbleiben konnten. Sie sei eigentlich noch ein Hippie gewesen, alleinerziehende Mutter zweier Söhne in Hannover, als sie Anfang der achtziger Jahre Fauser kennenlernte – auf ihre Inititiave hin: Sie ruft den Dichter von „Trotzki, Goethe und das Glück“ in seiner Berliner Bude an, und er, als Schriftsteller immer auf Durchreise, schlägt ein Treffen am Hauptbahnhof Hannover vor. Bald ist er eingezogen, pendelt zwischen Westberlin und der Provinz, erkundet mit seiner Frau - geheiratet wird im Juli 1985 – das Hannoversche Umland: Eines der Sets für den Roman „Das Schlangenmaul“. Schließlich der Umzug ins supercoole München der mittleren achtziger Jahre, kein leichter Start für sie. Aber Gabriele Fauser war ein tougher Typ, ein Mensch der gern lebte und ein gutes Lachen hatte – und last not least eine attraktive Frau. Es war nicht schwer zu verstehen, daß sie und Jörg Fauser ein Paar geworden waren.

Dann kam die Katastrophe, ein nächtlicher Anruf, Jörg Fauser tot auf der Autobahn, 17. Juli 1987. Ich muß mir nicht nur ausdenken, was da alles auf sie einstürzte, an echten und selbsternannten Freunden, Geliebten, Erben, Nachlaßverwaltern. Der Tragik dieses Verschwindens und dem unmenschlichen Druck, der darauf folgte, war es wohl geschuldet, daß Gabriele Fauser auf den Gedanken verfiel, ihr Mann sei ermordet worden – wofür nichts spricht.

Daß Fauser es vom verachteten Gossendichter zum großen Sohn der Stadt Frankfurt am Main gebracht hat – und Fauser wollte diesen Nachruhm -, ist zu wesentlichen Teilen ihr Verdienst. Und auch einen direkten und positiven Einfluß auf das Werk, insbesondere auf die Frauenfiguren im nachgelassenen Fragment „Die Tournee“ (erschienen im Alexander-Verlag, 2007) darf sie für sich in Anspruch nehmen.

Mit dem Alexander-Verlag gab es zuletzt Querelen um die Gestalt des letzten Bandes der Werkausgabe. Gabriele Fauser wollte die von Carl Weissner, Fausers engstem Freund und literarischem Mentor, verantwortete, erste Ausgabe der gesammelten journalistischen Arbeiten unverändert neu auflegen lassen – ein Ansatz, den ich verstehe, aber letztlich nicht befriedigend finde. Mit Verleger Alexander Wewerka, der eine Gesamtschau des journalistischen Œuvres bieten möchte, war man für Mai vor Gericht verabredet.

Damit werden sich nun andere auseinandersetzen müssen.

erschienen in “junge welt” vom 15. 3.08

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