Langsames Herantasten an das Leben

Allgemein, Bavarica — admin on Oktober 11, 2011 at 18:39

STRAUBING taz | Susanne Preusker sitzt ein Frosch im Hals. Sagt sie so. Ihr Gesicht ist gerötet, es glänzt im Scheinwerferlicht der TV-Teams. Sie sei nervös, sagt sie und entschuldigt sich mit schwacher Stimme. “Lauter!”, ruft es aus den hinteren Reihen. Später im Interview wird Susanne Preusker ganz anders klingen: niedersächsisch klar, mit Timbre, mit der professionellen Zugewandtheit der studierten Psychologin.

Aber jetzt hier auf dem Podium der Hugendubel-artigen Filialbuchhandlung Pustet, am prächtigen Theresienplatz im Zentrum von Straubing, vor 200 Leuten, bei der ersten Lesung ihres Lebens aus ihrem ersten Buch, da macht sie all das durch, was zu einem Debüt im Literaturbetrieb nun mal dazugehört. “Man muss gut aufpassen, was man sich wünscht. Die Wünsche könnten in Erfüllung gehen”, heißt es in ihrem Buch.

Sie setzt neu an, zieht ihre Lederjacke aus, sitzt seitlich in schwarzer ärmelloser Bluse, eine schöne 51-jährige Frau, braungebrannt, mit langen blonden Haaren, in denen eine Sonnenbrille steckt. Susanne Preusker lebt, sie kann das hier, sie schafft das, sie räuspert den Frosch endgültig weg, sie ist nicht an dem Knebel erstickt wie ein anderes Opfer des Mannes, der sie zweieinhalb Kilometer von hier, im Hochsicherheitsknast dieser Stadt, gekidnappt, mit dem Tod bedroht und mehrfach vergewaltigt hat.

Es ist nicht der erste Sieg von Susanne Preusker über den Täter, den sie zuvor vier Jahre in Therapie hatte; und der letzte kann es auch nicht sein. Überleben ist kein Zustand. Überleben ist ein Kampf, den man aufnimmt, immer wieder. Oder eben nicht.

Von den ersten 24 Monaten dieses Kampfes, der am 7. April 2009 beginnt, berichtet die ehemalige Leiterin der Sozialtherapeutischen Station für Sexualstraftäter der JVA Straubing in ihrem Buch “Sieben Stunden im April”. Im Sommer erschienen ist es schon in die zweite Auflage gegangen. Mit der Lesung in Straubing will sie Abschied nehmen von einer Stadt, die ihr ans Herz gewachsen sei, in der sie aber nicht mehr leben kann: schon deswegen nicht, weil sie nie mehr von einem bayerischen Polizisten “angepöbelt” werden möchte, wenn sie es versäumt, den Blinker beim Abbiegen zu setzen.

Denn es sind 250 bayerische Polizisten, die rund um die JVA schon sehr bald nach dem Kidnapping Stellung beziehen - und dort dann stehen bleiben, bis der Täter aufgibt und beim Verlassen von Susanne Preuskers Dienstzimmer von SEK “überwältigt” wird, wie man die offizielle Darstellung dankenswerterweise im Straubinger Tagblatt nachlesen kann. Da findet man auch Sätze wie “Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das für eine mögliche Erstürmung der Therapiestation bereitstand, brauchte nicht mehr einzugreifen”, die Geiselnahme sei unblutig beendet worden.

Was macht ein Mörder und Vergewaltiger sieben Stunden mit einer gekidnappten Frau? Und was macht die für ihr hartes Eingreifen berühmte bayerische Polizei in so einem Fall? Und was ist nun mit der Sicherungsverwahrung, mit der Therapiefähigkeit von Schwerkriminellen? Sind solche Fragen schon linker oder rechter Populismus? Sie wolle niemand in die Pfanne hauen, schreibt Susanne Preusker. Es gehe ihr auch nicht um Geld. Aber sie müsse diese Fragen stellen, auf die sie, sagt sie nach der Lesung, bis heute keine befriedigende Antworten bekommen habe. Sie sagt, man müsse darüber reden, ob der “Mann aus Niedersachsen” nicht recht habe mit seinem “Wegschließen - und zwar für immer”.

Sie hat Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet, die niedergeschlagen wurde. Sie und ihr Mann, der sie bei allen Lesungen begleitet, haben Widerspruch eingelegt. Susanne Preuskers Leben ist auch das: ein schwebendes Verfahren. Geheiratet hat das Paar zehn Tage nach der Tat.

Das Polizeipräsidium Straubing liegt genau gegenüber der Buchhandlung, für den 5. Oktober ist es erstaunlich mild, sogar Stechmücken sind noch unterwegs. Man habe mit Störern rechnen müssen, erzählt Susanne Preusker mit Blick auf die Security. Aber alles bleibt ruhig, die Stimmung geht ins Herzliche. Susanne Preusker schläft heute im Hotel, sie lebt jetzt in Magdeburg.

Das hier heute Abend ist ein weiterer Schritt in ihrem neuen Leben, ein Leben, das sie sich nicht ausgesucht hat: Sie habe ihr altes einfach zu gern gemocht. Das lustige, das forsche, das karriereorientierte, das Powerleben. “Das war meins”, sagt sie. Aber nun sei die Zäsur manifest. Ziele? Ja, eines: diese Spaltung irgendwann aufzuheben, wieder ein einziges Leben zu haben, eines, das sich nicht immer wieder aufzulösen droht in Vorher/Nachher, in Panikattacken, in diesem “Wattegefühl”, wie sie es im Buch nennt.

Aus dem liest sie dann über eine Stunde vor, das Publikum ist hochkonzentriert, aber nicht pathetisch ergriffen, wir befinden uns in Niederbayern. Die Fragen sind erwartbar: Wie sei es möglich, dass …? Welche Therapien habe sie …? Wie sei das Verhältnis zu Straubing? Beantwortbare Fragen. Es sind mehr Frauen als Männer gekommen, aber für eine Lesung in der Provinz auch wieder nicht ungewöhnlich viel mehr: Es ist eben auch der Event heute Abend in der schmucken 44.000-Einwohner-Stadt, die Konkurrenzveranstaltung heißt “Gesund durch Veränderung”, Referent Heribert Rederer, Einhornapotheke.

Susanne Preusker ist neben all dem, was sie speziell mit Straubing verbindet, eine nationale Medienfigur, nach zahlreichen Fernsehauftritten, Interviews und Porträts von FAS bis Spiegel. Heute Abend sind der BR und ein ZDF-Team von “Mona Lisa” vor Ort, die Kollegen vom Privatfernsehen hingegen müssen wieder abziehen, der Verlag möchte “das” mit den Öffentlich-Rechtlichen machen. Susanne Preusker sagt, sie rede nicht mit der Bild und nicht mit der Yellow-Press. Bisher darf der Versuch als geglückt gelten, ein Trauma und seine Bearbeitung gleichzeitig hart zu erzählen, professionell zu vermarkten und doch die Kontrolle über die eigene Geschichte zu behalten.

“Sieben Stunden im April” funktioniert ein wenig wie ein Horrorfilm. Nach 43 Seiten des Herantastens und Andeutens legt Susanne Preusker ein wenige Tage nach dem Verbrechen verfasstes Gedächtnisprotokoll vor. Sie weiß nicht, ob sie es noch einmal vorlesen wird, aber heute hier in Straubing wird sie. Man solle “bei mir nie sagen, dass ich mich irgendetwas nicht traue”.

Während sie das Kapitel liest, wird Susanne Preusker immer schneller. “K. sagt sehr selbstzufrieden, er hätte das Messer schon lange in seinem Haftraum versteckt. Den Sekundenkleber habe er über den Versandhandel bezogen. Zur Herkunft einer weiteren Kleberflasche, die er mir später noch zeigen wird, sagt er die ganze Zeit nichts.”

Wie wichtig dieser Text ist, wird erst später im Buch offenbar bei der Schilderung des Prozesses im Februar 2010, ein knappes Jahr nach der Tat. “Und als sich mein Mandant Ihnen sexuell genähert hat …?”, fragt der Anwalt des Täters.

“Er hat sich mir nicht sexuell genähert. Er hat mich vergewaltigt”, antwortet Susanne Preusker.

“Nun wollen wir uns doch mal nicht über Begriffe streiten, darum geht es ja nun nicht”, erwidert der Anwalt.

“Doch, Herr Verteidiger! Genau darum geht es. Um Vergewaltigung”, sagt sie.

Susanne Preusker hat ein Buch darüber geschrieben. Über Begriffe. Ein experimentelles Buch. Bei dem sie ihr eigenes Leben eingesetzt hat. Sie sei überhaupt nicht besonders mutig, sagt sie. Sie habe nur überlebt, weil sie keinen Fehler gemacht, weil sie den Täter nicht provoziert habe. Jetzt schreibt sie an einem Krimi, Tatort Straubing. Als die Freunde, Autogrammjäger und Journalisten die Buchhandlung verlassen, ist schon umdekoriert: Am 18. 11. liest Josef Bierbichler aus seinem Roman “Mittelreich”, Eintritt 12 Euro. Susanne Preuskers Lesung gab es für 8 Euro. So ist das Leben. Unverschämt und ungerecht. Leben halt.

Susanne Preusker: “Sieben Stunden im April. Meine Geschichten vom Überleben”. Patmos Verlag, 2011, 17,90 Euro

taz,  10.10

Louis van Gaals Biografie: Der Mann, der alles kann

Bavarica, Sportjournalismus — admin on März 6, 2011 at 13:32

Wer ist Louis van Gaal? Diese Frage beantwortet Louis van Gaal am liebsten selbst: Louis van Gaal ist ein großer Fußballlehrer. Das steht auch in seiner kiloschweren Biografie.

Es war im Oktober letzten Jahres, als Louis van Gaal seinen gewichtigen Doppelbänder “Biographie und Vision” auf dem Rasen der Arena von Ajax Amsterdam vorstellte. Vor 500 geladenen Gästen erzählte er, dass er dieses Buch seit 2003 geplant habe, also wohl nach seinem gescheiterten zweiten Engagement in Barcelona. Zum Zeitpunkt der Präsentation hatte der von ihm seit dem Sommer trainierte Rekordmeister Bayern München gerade den schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren hingelegt.

Vielleicht fand sich deswegen in der versammelten Fußballprominenz - darunter Ronald de Boer und Patrick Kluivert - kein einziger Offizieller des FCB mit Ausnahme von van Gaals Ko-Trainer Andries Jonker, den er inzwischen nicht unkokett immer mal wieder als seinen Nachfolger in München ins Spiel bringt, obwohl Jonker als Chefcoach bisher keine Erfolge vorzuweisen hat. Und last, not least: In Amsterdam wurde natürlich die holländische Version vorgestellt. Wer kann oder konnte schon Holländisch in München?

Doch seit van Gaals Bayern am 24. Spieltag der vergangenen Saison erstmals nach über eineinhalb Jahren wieder an der Spitze standen, seit er das Double gewonnen und das Finale der Champions League erreicht hat und schließlich als erster Ausländer zum Trainer des Jahres gewählt wurde, war der Holländer so etwas wie der Heilsbringer und große Modernisierer des deutschen Fußballs geworden - bis Bayern-Manager Uli Hoeneß Ende Oktober dem von ihm engagierten Rotweinliebhaber kräftig in die späte Blüte seiner Karriere grätschte.

Seitdem scheint es äußerst zweifelhaft, dass van Gaal seinen bis Juni 2012 laufenden Vertrag erfüllen wird. Denn er macht überhaupt nicht den Eindruck, als habe er Spaß daran, dass jedes Match für ihn zum Schicksalsspiel wird; am Dienstag gegen den AS Rom in der Champions League darf er es einmal etwas entspannter angehen lassen, weil die Bayern ja schon mit vier Siegen in vier Partien in der Zwischenrunde sind.

Der Nachdemütigungs-van-Gaal sieht im Gegenteil aus wie jemand, der innerlich gekündigt hat und nur noch auf die richtige Gelegenheit wartet, dem Bayernboss zum Abschied kräftig einen einzuschenken - ein Abschied, der ja erklärtermaßen einer vom Vereinsfußball sein wird. Sieht man es so, dann geht die Ära van Gaal an der Säbener Straße schon wieder ihrem Ende entgegen - und die nun erschienene, um das Bayernabenteuer erweiterte deutsche Ausgabe seiner Lebens- und Fußballbilanz darf als sein Bundesligavermächtnis gelten.

Ist es gelungen? Ist es nicht, jedenfalls der biographische Teil. Dass van Gaal ein Fußballverrückter und Fanatiker ist, war bekannt und ist schön und gut. Man kann die zugehörigen Anekdoten auch mit einigen Amüsement lesen - solange man sie nicht schon in einem anderen Medium mitbekommen hat, der Mann ist ja nicht sparsam mit seinen Äußerungen. Nein, van Gaal ist nicht einfach ein egozentrisches Alphatier, er hat einen dem Tourette-Syndrom vergleichbaren Zeige- und Aussprechtick.

Nicht umsonst diktierte er den Bild-Zeitungsleuten einst ins Schmierblatt, er habe im Besprechungsraum der Mannschaft einmal die Hosen runtergelassen, um zu beweisen, dass er nicht wegen seines Egos, sondern allein für die Mannschaft Auswechslungen vornehme. Was er damit wohl sage wollte? Hatte er tatsächlich den Jungs seinen vermutlich gewaltigen Bommel gezeigt?

Man kann das auch positiv nehmen und dem Holländer zwanghafte Ehrlichkeit attestieren. Er hat keine Lust, zu lügen, sich zu verstecken. Muss er auch nicht, denn wo er ist, ist er Chef. Dieses “Ecce Homo” hat etwas Katholisches - und Aloysius Paulus Maria Van Gaal ist ein vom Glauben abgefallener Katholik.

Das hätte nun ein sehr spannendes Analysebuch abgegeben, aber “Biographie” ist kein Buch zum Lesen, sondern eins zum Blättern, eine Hochglanz-Festschrift, ein echtes Coffee-Table-Book, ein Bayern-Fan-Accessoire. Es ist einfach zu mühsam, aus der Fülle der Familienfotos, Zwischenüberschriften und Geschichtchen das Wesentliche herauszufiltern.

Die Mühe lohnt sich etwa im sechsten Kapitel, in dem van Gaal beziehungsweise der niederländische Sportjournalist Robert Heukels, der den Text mit ihm geschrieben hat, die Zeit als Sportlehrer - van Gaals erlernten Beruf - beschreibt. Von 1977 bis 1988 unterrichtete van Gaal an der katholischen Berufsschule Don Bosco in Amsterdam: “Von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags unterrichtete ich, und um 15.30 Uhr begann bei Sparta (Rotterdam) das Training. […] In dieser Zeit habe ich mein Auto aus reiner Übermüdung drei- oder viermal in die Leitplanken gesetzt.” Und warum die Hetze? “Ich wollte sein, was ich studiert hatte. Das Leben als Fußballprofi fand ich schon deswegen hohl, weil ich nicht immer spielte.”

Wenn das Anatolij Tymoschtschuk mal gelesen hätte! Man glaubt die Erinnerungen der ehemaligen Schüler, dass van Gaal ein guter, ja ein begeisternder Lehrer war. Und natürlich finden sich auch die sattsam bekannten Ausfälle, alle ehrlich aufgeschrieben, ob van Gaal nun ein Mädchen in den Hintern tritt, weil der Ball aus ihrem Spielfeld in der abgeteilten Turnhalle auf das von ihm bespielte rollt (der Fall sorgt für Aufregung, wird aber dann zu den Akten gelegt) bis hin zum Eigenlob: “Der ist fantastisch”, er selbst, klar.

Er ist, wie er ist

Und van Gaal ist ja auch ein großer Fußballlehrer. Das zeigt sich im zweiten Band “Vision”, der weniger überladen und grafisch aufgeblasen ist. Van Gaals Stärke ist, dass er spielen lässt, wie er ist: “Die Mannschaft, die den Ball hat, bestimmt!”

Van Gaals Schwäche ist, dass er spielen lässt, wie er ist: Als er im Champions-League-Finale gegen seinen ehemaligen Schüler Mourinho antrat, hätte er wissen müssen, dass man gegen Inter nicht der Jäger ist, sondern der Gejagte oder zumindest der Abwartende. Mit van Gaals Ansatz entsteht schöner, aber durchaus nicht immer erfolgreicher Fußball - in Italiens Serie A jedenfalls hat er mit gutem Grund nie gearbeitet.

Es ist überhaupt interessant, wie van Gaal das Thema Mourinho behandelt. Sein Credo für seine Mitarbeiter ist ja: “Man muss den Leuten beibringen, so zu sehen, wie man es selbst gern möchte.” Mourinho aber hatte und hat “eine völlig andere Persönlichkeit und sieht deswegen ganz andere Details, und auch seine Arbeitsweise unterscheidet sich von meiner.” Van Gaal schätzt Mourinho sehr, man schreibt sich SMS. Und dann so ein Satz: “Alle Spieler, mit denen er zusammengearbeitet hat, reden nur gut von ihm. […] Mourinho ist also offenbar sehr menschlich.”

Van Gaal weiß nicht, wie Mourinho ist. Er ist ihm fremd geblieben, was zugespitzt bedeutet: Van Gaal versteht nicht, wie ein anderer Mensch, der denselben Beruf wie er ausübt, also weder in der Hierarchie unter ihm steht noch von einem anderen Fach ist, trotzdem ein großer, was Erfolge angeht, sogar ein größerer Trainer als er selbst sein kann. Van Gaal versteht nicht, wie man nicht van Gaal sein kann. Das ist psychologisch gedeutet, aber hier geht es immer noch um Fußball.

Wenn Louis van Gaal in seinem Ferienhaus in Portugal demnächst seine Ruhe hat, schreibt er vielleicht eine kleine Fußballschule auf 100 Seiten. Dieses Buch müsste man dann haben.

taz, 22.11.2010

Strauß-Kritiker Schlötterer muss Buch nicht entschärfen

Allgemein, Bavarica, Mafia und Anti-Mafia — admin on Januar 17, 2011 at 14:36

Hamburg/München (dpa/lno) - Der frühere Ministerialbeamte Wilhelm Schlötterer kann vorerst den Vorwurf krimineller Machenschaften gegen den früheren CSU-Chef Franz Josef Strauß in seinem Buch “Macht und Missbrauch” ohne jede Entschärfung weiter verbreiten. Das Landgericht Hamburg hat die von einem Teil der Strauß-Familie beantragte einstweilige Verfügung zurückgewiesen, wie ein Gerichtssprecher am Freitag sagte. Er bestätigte damit eine Mitteilung der Schlötterer-Anwälte.

Mit der einstweiligen Verfügung wollte die Strauß-Familie erreichen, dass Schlötterer die gravierendsten Vorwürfe in dem Buch nicht mehr weiter verbreiten darf - er hätte das Buch entweder ganz aus dem Handel nehmen oder bestimmte Passagen schwärzen lassen müssen. Nun kann sein Verlag das Buch unverändert weiter verkaufen. “Die Vorwürfe sind nach meiner Einschätzung haltlos”, erklärte Schlötterers Anwalt Stefan von Moers. Schlötterer sollte lediglich unter Druck gesetzt werden.

Der frühere Beamte des bayerischen Finanzministeriums beschuldigt den 1988 gestorbenen CSU-Patriarchen unter anderem, illegal ein Vermögen von 300 Millionen Euro angehäuft zu haben. Außerdem soll Strauß große Summen in der Schweiz vor den deutschen Behörden in Sicherheit gebracht und Freunde vor Justiz und Steuerfahndung geschützt haben.

Das bedeutet aber nicht, dass Schlötterer jetzt keine juristischen Sorgen mehr hätte. Denn zugleich läuft bei der Münchner Staatsanwaltschaft weiter ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Verleumdungsverdachts. Ein Abschluss der Ermittlungen ist noch nicht in Sicht, wie eine Sprecherin der Behörde sagte. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen eingeleitet, nachdem die Strauß-Kinder Anzeige gegen Schlötterer erstattet hatten.

Anmerkung: Bei letzterer Klage geht es um angebliche Äußerungen Herrn Schlötterers - nicht ums Buch. Und was macht eigentlich der Bundespräsident mit all den Orden, die er zu vergeben hat?

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